Den Mönchen sei Dank

Den Mönchen des Klosters Lorsch ist es zu verdanken, dass Walldorf 2020 ein besonderes Jubiläum begehen kann: Den ersten Eintrag des Ortes „Waltdorf“ in einer rechtsgültigen Urkunde im Jahr 770 nach Christus und damit vor 1250 Jahren.

Walldorf 770
Eingang in den Lorscher Codex fand „Waltdorf“, weil die Benediktinermönche in diesem Verzeichnis ihre Güter aufführten. Am 20. Oktober 770 kamen der Geistliche Walram und sein Sohn Babo in das sechs Jahre zuvor gegründete Kloster Lorsch, um diesem Besitztümer im Lobdengau, darunter in „Waltdorf“, und im Anglachgau zu vermachen. Abt Gundeland stand dem Kloster damals vor und als Protokollant mit Gänsekiel und Tinte fungierte der Mönch Samuel, der „Waltdorf“ in schönster Schrift ins Licht der Geschichte rückte. Nicht vermerkt ist natürlich, dass das Dorf im Wald wesentlich älter ist, denn die archäologischen Funde in Walldorf gehen bis in die jüngere Steinzeit zurück, was nicht bekannt gewesen sein dürfte.

Walldorf ist mit seinem Jubiläum in guter Gesellschaft, denn viele Gemeinden in der Region konnten die Ersterwähnung vor 1250 Jahren in den letzten Jahren feiern oder begehen dieses Jubiläum in nächster Zeit. Mit großzügigen Schenkungen an das Kloster, die dem Heiligen Nazarius, einem römischen Märtyrer, zugeeignet waren, wollte man sich ewiges Seelenheil sichern. Die Gebeine des Heiligen waren dem Kloster von Papst Paul I. übergeben worden und hatten wesentlichen Anteil an der Anziehungskraft und Bedeutung des Klosters, das in den Besitz ausgedehnter Ländereien von der Nordsee bis zu den Alpen kam.

Insgesamt fertigten die eifrigen Mönche über 3.800 Urkunden in lateinischer Sprache an, deren Abschriften in der „Transscriptio privilegiorum regalium et apostolicorum seu traditionum Laureshamensis monasterii“, kurz dem Lorscher Codex, der erst im 12. Jahrhundert angelegt wurde, nachzulesen sind. Dieser Vorgänger der heutigen Grundbücher wird im Bayrischen Staatsarchiv Würzburg aufbewahrt, kann inzwischen aber auch digital eingesehen werden. Dass ihre mühevolle Handarbeit im Scriptorium bis ins 21. Jahrhundert und darüber hinaus gelesen und geschätzt und zu zahlreichen Feierlichkeiten führen würde, hätten sich Abt Gundeland, seine Nachfolger und die Mönche sicher nicht träumen lassen.